Die Skepkon 2016…Tag 2 – volles Programm mit Mitgliederversammlung und den Abschnitten Gentechnik & Großstadtmythen

Nach einem gut besuchten Zuschauertag am Donnerstag, starteten wir am Freitagvormittag traditionell mit unserer Mitgliederversammlung.

Schwarzer isolierter Button mit Symbol zeigt Mitgliederversammlung

Kurze Stärkung auf dem Hamburger und ein bisschen Sonne tanken war in der Mittagspause angesagt…selbst Hermes genießt das traumhafte Wetter hier im hohen Norden.

20160506_130721 20160506_141520 20160506_143218

Alle Vorträge von heute und morgen finden sich als Abstracts auch unter https://www.skepkon.org/images/PDF-Abstracts/GWUP-Abstracts-Konferenz2016-LoRes.pdf

Um 14:30 Uhr ging es dann los mit dem Abschnitt Gentechnik.

Genmais yvonneweis

Martin Moder referierte zur Fragenstellung „Giftige Gene? – Grüne Gentechnik vs. hartnäckige Gerüche“

Auszug aus dem Abstract: „Seit zwei Jahrzehnten verändern wir gezielt das Erbgut von Nutzpflanzen, um sie für unsere Bedürfnisse zu optimieren. Dreizehn Prozent der globalen Anbaufläche sind mittlerweile mit gentechnisch modifizierten Nutzpflanzen besetzt. Auch Deutschland importiert jährlich Millionen Tonnen gentechnisch verändertes Futtermittel für die Tierzucht. Ist das ein wünschenswerter Trend oder bedenklich? Rechtfertigt der Nutzen etwaige Risiken? Wie steht es um Resistenzbildung, Pestizideinsatz, Ertrag und Einkommensveränderungen der Bauern?“

Es geht um GMO – gentechnisch veränderte Organismen: wo fängt Gentechnik an, wo hört sie auf?

Es gibt verschiedene Zuchtverfahren, die man grob in drei Kategorien einteilen kann:

  • Klassische Kreuzung: hier kreuzt man gezielt Individuen einer Sorte, bei denen gewünschte Eigenschaften und Merkmale sehr stark ausgeprägt sind. So sind z.B. viele großen Äpfel ein Ergebnis solcher Kreuzungen. Das aber auch bei solch einer klassischen Kreuzung mal was schiefgehen kann, zeigte in den 1960er Jahren die Lenape-Kartoffel. Sie wurde durch klassische Kreuzung hergestellt und ist besonders resistent gegen Freß-Feinde, allerdings hatte diese Sorte eine hohe Menge an Alkaloiden in sich, dass es bei einigen Menschen zu Vergiftungserscheinungen kam und diese Sorte dann wieder vom Markt genommen werden musste. Abhängig von der Dosis und vom jeweiligen Wirkstoff kann die Einnahme von Alkaloiden therapeutische, halluzinatorische oder sogar tödliche Folgen haben – das Alkaloid der Kartoffel heißt übrigens Solanin.
  • Mutagnese: Hier wird Saatgut entweder radioaktiv bestrahlt oder mit Mutations-induzierende Chemikalien behandelt. Als Beispiel sei hier der Golden Haidegg genannt, der aus dem Golden Delicious „entwickelt“ wurde.
  • Moderne Gentechnik: hier werden meist nur ein- bis sechs einzelne Gene verändert, eingebracht oder inaktiviert. Eine der häufigsten praktizierte genetosche Veränderung ist das Einbringen von Schädlingsresistenzen – man fürht ein Gen ein, welches ein Protein erzeugt, das für Schädlingen toxisch, aber für uns Menschen unbedenklich ist. Das Problem der modernen Gentechnik       ist, dass die Artenbarriere überwunden werden kann – das war früher nicht möglich!

Auch ein spannendes Ergebnis brachte die genauere Betrachtung der Studie Glykosat/Round up und Tumore bei Ratten. Aussagekräftig ist diese Studie bei Weitem nicht….schon allein die Rattenart ist gänzlich ungeeignet, da sie bekannt dafür ist, bis zu 50% Spontantumore auszubilden und eine weitere Untersuchung ergab, dass bei einer Erhöhung des Glykosatgehaltes im Trinkwasser der Ratten das Letalitätsrisiko sank!

Ahhh ja…;-)!

Martin Moder ist Molekularbiologe und beschäftigt sich in seiner Freizeit gerne mit Wissenschaftskommunikation, er schreibt den Science Blog „GENau“ ( http://scienceblogs.de/genau/) und hat 2014 den Science-Slam-Europameister-Titel geholt.

Der zweite Vortrag zum Thema war von Dr. Matan Shelomi: Gentechnik-Gegnerschaft zum Schaden von Entwicklungsländern.

Eine sehr interessante Zahl gleich zu Beginn: 18 Millionen Landwirte weltweit züchten genveränderte Lebensmittel!

Auszug aus dem Abstract: „Gentechnisch veränderten Pflanzen und Tiere werden als Lösung für die Probleme mit der Nahrungsmittelproduktion weltweit angepriesen, schwerpunktmäßig für Regionen wie Afrika und Südostasien.

Die wissenschaftliche Grundlage dazu ist korrekt und unstrittig: GV-Lebensmittel sind sicher für den Verzehr und zeigen großes Potential, Bauern bei der nachhaltigen Produktion von Lebensmitteln zu helfen. Doch zwei Probleme, die an entgegengesetzten Seiten der Gentechnik-Debatte zu verorten sind, behindern die Verbreitung von GV-Technologie in den Entwicklungsländern. Zum einen die Anti-Gentechnik-Ideologie der EU, die auf eingebildeten Gesundheitsgefahren beruht; zum anderen beeinflussen externe Interessen die Handelspolitik zwischen den Ländern.“

Von 2002-2012 wurden insgesamt 1783 Studien zu GVO veröffentlich , die aber kein Auswirkungen erkennen ließen, auch gibt es bislang keine Auswirkung auf die Artenvielfalt!

Dr. Matan Shelomi ist Entomologe am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. Er hat an der University of California in Davis promoviert. Er schreibt über allerlei Entomologisches sowie über Skeptisches aus dem Bereich der Biologie auf Quora.com, wofür er 2012 einen Shorty Award gewonnen hat.

Kaffeepause

Dann war Kaffeepause angesagt…ein kleiner Ausflug zu einer kulinarische Besonderheit von Hamburg: dem Franzbrötchen

Zur Geschichte des Franzbrötchen wird im „Kleinen Lexikon Hamburger Begriffe“ folgende These aufgestellt: „[Sie] sind seit dem 19. Jhd. als eine Gebäckspezialität in Hamburg belegt. Zunächst bezeichnete ,Franzbrot‘ einen langen Laib Brot, das aus besonders feinem, weißem Mehl und mit Butter gebacken war, dem heutigen Baguette vergleichbar. Bald nach der Jahrhundertwende begann eine Hamburger Bäckerei, ihre Franzbrötchen in der Fettpfanne zu veredeln. Heute werden sie aus einem Hefe-Plunderteig mit viel Butter und Zimt in vielen Variationen gebacken. Dass Franzbrötchen eine regionale Spezialität sind, zeigt schon die Tatsache, dass man sie z.B. in Bremen gar nicht und in Lüneburg nur als „Hamburger“ kaufen kann.

Franzbrtchen II

Es gibt unzählige Rezeptvarianten…hier ist eine davon..für ca. 10 Stück braucht man

Für den Teig:  
500 g Mehl
40 g Hefe
70 g Zucker
250 ml Milch, lauwarm
70 g Butter
1 Prise(n) Salz
  Zitrone(n) unbehandelt, Schale abgerieben
  Für die Füllung:
100 g Butter
100 g Zucker
2 TL Zimt
  Mehl zum Ausrollen
  Fett für das Blech

Man benötigt ca. 30 Minuten für die Zubereitung und dann kann man ca. 250 kcal pro Franzbrötchen rechnen.

Zubereitung:

Zuerst einen Hefeteig herstellen: Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Mulde drücken und die Hefe hineinbröckeln. Etwas Zucker darüber streuen, die Milch darüber gießen und die Hefe darin auflösen. Weiche Butter, restlichen Zucker, Salz und Zitronenschale auf dem Mehlrand verteilen. Von der Mitte aus alle Zutaten mit den Händen oder dem Knethaken zu einem glatten Teig verkneten. Zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat, etwa 30-40 Min.

Den Teig noch mal kräftig durchkneten. Auf der bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck von 30×25 cm ausrollen.

Die gut gekühlte Butter in dünne Scheiben schneiden und auf eine Teighälfte legen. Die andere Hälfte darüber schlagen. Die Teigränder zusammendrücken und unter das Teigstück schieben. Auf der bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck von 30 x 50 cm ausrollen.

Von der Schmalseite her 1/3 der Teigplatte zur Mitte hin einschlagen und das letzte Drittel darüber klappen, so dass drei Teigschichten übereinanderliegen. 15 Min. kühl stellen.

Dann den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche auf eine Größe von 80 x 40 cm ausrollen. Mit Wasser bestreichen. Zimt und Zucker mischen und gleichmäßig auf den Teig streuen. Die Teigplatte von der Längsseite her zu einer 6 cm breiten abgeflachten Rolle aufwickeln. Die Nahtstelle soll unten liegen. Die Teigrolle in 4 cm breite Stücke schneiden. Jedes Stück mit einem Kochlöffelstiel parallel zu den Schnittflächen kräftig eindrücken. Im Abstand von mindestens 4 cm auf 2 gefettete Backbleche setzen und zudecken. Die Franzbrötchen auf dem Blech, das zuerst gebacken wird, 15-20 Min. an einem warmen Ort gehen lassen; das 2. Blech kühl stellen, damit der Teig langsamer aufgeht. Im vorgeheizten Backofen auf mittlerer Einschubleiste bei 200°C 25 Min. backen.

Weitere Informationen zum Rezept und auch zum Franzbrötchen himself findet ihr auf www.franzbroetchen.de.

Gut gestärkt konnte man sich jetzt in die Großstadtmythen und Verschwörungen begeben…

Hermann Ritter behauptet: „Die Weltregierung tagt auf der Venus“

Auszug aus dem Abstract: „In den letzten Jahren gab es wieder einen Boom um zwei Themen im Bereich Verschwörungstheorien/Esoterik, die mit dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen.

Das eine ist das wieder aufgetauchte Thema, dass die Kulturbringer der letzten Jahrtausende allesamt weißhäutige Heroen waren, die von einem mythischen Ursprungsland aus – heiße es Atlantis oder Lemuria oder wie auch immer – der Erde erst die Kultur gebracht haben. Eine Erweiterung dieses Themas sind weißhäutige, blonde Außerirdische, die dann auf der Erde eine Kolonie aufgebaut haben, von der aus … wir verstehen uns.

Das zweite Thema ist die von Tibet ausgehende organisierte Weltherrschaft, die auch mit Nationalsozialisten Kontakt anstrebte.

In vielen Fällen ist die Abgrenzung zwischen beiden Themen nicht oder nicht einfach zu leisten; spätestens dann, wenn atlantisches, arisches Wissen in Tibet eine Rolle spielt, ist eine Abgrenzung unmöglich.

Vielleicht besteht eine Verbindung zwischen dem mythischen Atlantis als atlantischpolar-pazifisches Inselreich, das spurlos untergeht, zu einem Rückzugsgebiet im Gebirge als tibetisch-chinesisch-mongolischen Bergreich, das spurlos besteht.

Es gibt Dinge „dort draußen“, die einen den Kopf schütteln lassen. Stichworte wie das rassische Wissen aus dem Rückenmark, die Schwarze Sonne, die Herkunft der Olmeken von den Wikingern, der Gral und seine Bindung an europäische Herrscherhäuser, Echsenwesen als geheime Weltherrscher, Hitler auf der Venus, deutsche Atombomben und Nurflügelbomber sowie die Geheimnisse im Dora-Stollen haben wieder Hochkonjunktur.

Otto Rahn, Otto Skorzeny, Karl-Maria Wiligut und die Wewelsburg – alle dürfen sie hier mitspielen – oder (wenn man den Verschwörungstheorikern glaubt) wieder mitspielen.

Gerade in der erzählenden Literatur – mehr als in „Fachbüchern“ – haben diese Themen Konjunktur. Was man von all diesen Werken zu halten hat, wird einem oft bei einem ersten Durchblättern schnell klar. Manchmal zweifelt man auch, überlegt … dann mag der Vortrag Lesehilfe sein, ein wenig Unterhaltung, ein wenig Aufklärung.“

Und das war er auch…es ist unglaublich, was auch heutzutage noch an Unsinn geglaubt und verbreitet wird.

Ein Hinweis soll auch gleich auf sein neues Buch gemacht werden, welches ich mir sicher noch besorgen werde, sobald es geht!

20160506_173108

Hier die genauen Buchdaten: Hermann Ritter, Johannes Rüster, Dierk Spreen, Michael Haitel (Hrsg.) HEUTE DIE WELT – MORGEN DAS GANZE UNIVERSUM Rechtsextremismus in der deutschen Gegenwarts-Science-Fiction ; Mai 2016, Paperback, ISBN 978 3 95765 049 8 – EUR 11,90 (DE), eBook-ISBN 978 3 7396 5212 2 – EUR 5,99 (DE)

Hermann Ritter schloss sein Sozialarbeit-Studium mit einer Diplomarbeit über Fantasy-Rollenspiele ab, sein Magisterstudium (Geschichte und Politik) beendete er mit einer Arbeit über alternative Weltenentwürfe in der Literatur. Als Mitherausgeber von »Magira«, dem Jahrbuch für Fantasy, war er für eines der wichtigsten Sekundärwerke des Genres verantwortlich (www.magira-jahrbuch.de)

Zum heutigen Abschluss sprach noch Bernd Harder über „die Ufo-Schlacht von Nürnberg und das halb menschlice Schwein: Wie Esoteriker die „Urban Legends“ der frühen Neuzeit deuten

Auszüge aus dem Abstract: „In den Schriften des Renaissance-Propheten Nostradamus finden sich zahlreiche geheimnisvolle Bilder und Metaphoriken, ebenso wie in der UFO-Literatur. Fans des Paranormalen sehen darin die genaue Beschreibung konkreter Ereignisse. So wird zum Beispiel die Flugschrift „Nürnberger Himmelsspektakel“ von 1561 als Schilderung einer „Schlacht zwischen unbekannten Flugobjekten“ betrachtet. Im Vers 64 der I. Centurie („Nachts glaubt man die Sonne zu sehen – wenn man erblickt halb Schwein, halb Menschenkind – Lärm, Schreie, Schlacht in Himmelshöhen – wilde Tiere zu vernehmen sind“) soll Nostradamus den Ersten Weltkrieg vorausgesagt haben. Aber sind diese aktuellen Deutungen geschäftstüchtiger Interpreten haltbar? Oder haben wir es stattdessen mit den „Urban Legends“ der frühen Neuzeit zu tun? Eine Betrachtung der kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Hintergründe scheinbarer Vorhersagen und Wunderberichte zeigt, was sich tatsächlich hinter solchen Erzählmotiven verbirgt. In den Monstern, Himmelsschlachten und Finsternissen der antiken und mittelalterlichen Prodigien-Literatur bündelten sich Sensationsgier, Zukunftsängste und gelehrte Kompilationsmanier zu einer orakulären Poesie. Vermeintlich Unerklärliches in jahrhundertealten Darstellungen lässt sich somit unschwer auf die intensive Auseinandersetzung einer verunsicherten Leserschaft mit den sogenannten Vorzeichen zurückführen.“

Bernd Harder hat Politikwissenschaft in Saarbrücken studiert und ist in der GWUP als Skeptiker-Chefreporter und Blogger unterwegs.

An verschiedenen Orten konnte man heute Abend bei verschiedenen Themenstammtischen den Tag gemütlich und auch spannend ausklingen lassen.

20160506_182942

Noch einen Tag und dann ist die Skepkon schon wieder vorbei…also – immer schön skeptisch bleiben und bis morgen!

Eure Nachteule!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s