Reisetagebuch Sylt 2025, Tag 9 – die nördlichste Dose Deutschlands 😉

Da der Wetterbericht und auch der Blick in den Himmel weniger Wind und Regen vorausgesagt hatte – ging es wieder auf die Drahtesel und diesmal nochmal Richtung Norden: Endziel Ellenbogen. Der Weg schlängelt sich von Westerland aus an Reetdachhäusern vorbei, durch kleine Kiefernwäldchen und erste Ausläufer der Dünenlandschaft – ein sanfter Einstieg mit Nordseebrise in der Luft. Schon nach wenigen Kilometern erreichten wir das idyllische Kampen und unseren ersten Halt: die Uwe-Düne.

Hier mal ein paar interessante Infos zur Uwe-Düne: Die Uwe-Düne bei Kampen ist nicht nur die höchste Erhebung der Insel Sylt, sondern auch einer der schönsten Aussichtspunkte an der Nordseeküste. Mit ihren 52,5 Metern über dem Meeresspiegel bietet sie den perfekten Panoramablick über die Insel, das Wattenmeer und – bei klarer Sicht – bis hinüber zum dänischen Festland. Die Düne ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, Naturliebhaber und Fotografen, die hier die raue Schönheit Sylts in ihrer ganzen Weite erleben möchten…deswegen unsere Empfehlung: früh da sein, dann ist noch nicht so viel los!

Benannt wurde die Uwe-Düne nach dem Sylter Freiheitskämpfer Uwe Jens Lornsen, der sich im 19. Jahrhundert für mehr Unabhängigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein einsetzte. Ihm zu Ehren wurde 1923 ein hölzerner Aussichtsturm auf der Düne errichtet, der heute über eine breite Holztreppe mit rund 110 Stufen erreichbar ist. Oben angekommen, öffnet sich dem Besucher eine beeindruckende 360-Grad-Aussicht: Im Westen sieht man die tosende Brandung der Nordsee, im Osten das ruhige Wattenmeer mit seinen Prielen und Sandbänken. Im Norden liegt das noble Kampen mit seinen Reetdachhäusern, im Süden dehnt sich die Insel bis hinunter nach Hörnum aus. Und die Uwe-Düne ist zudem ein hervorragender Ort, um die charakteristische Dünenlandschaft Sylts kennenzulernen – eine fragile, windgeformte Naturzone, die unter strengem Schutz steht. Der Aufstieg lohnt sich zu jeder Jahreszeit: Im Frühjahr und Sommer blühen rund um die Düne Heide und Strandhafer, im Herbst weht oft ein kräftiger Wind, der die Wolken über den Himmel jagt, und im Winter kann man die klare, frische Luft besonders intensiv genießen.

Nach diesem Aufstieg ging es auf den Lister Dünen Radweg. Dieser rund 17 Kilometer lange, ehemalige Bahndamm verläuft schnurgerade durch die Kernzone des Sylter Naturschutzgebiets. Rechts und links nur Heide, Dünengras, Birken und Kiefern, durchzogen vom silbrig glänzenden Sand – ein beinahe meditativer Abschnitt, bei dem das gleichmäßige Surren der Reifen zur perfekten Begleitmusik wird. Windgeschützt, mit sanften Steigungen und fantastischem Weitblick, bietet dieser Abschnitt einen tiefen Einblick in die fragile Schönheit Sylts. Immer wieder kreuzen Kaninchen unseren Weg, Möwen rufen über den Dünen – Natur pur. Aber es lockte auch unsere erste Belohungsstation auf dieser Radtour: der Stand von Maurice Morell und den „Sylter Suppen“ – und ja, es gibt Menschen die schon eine Stunde vorher bei ihm sitzen und warten…wir standen nur knapp 30 Minuten an (ab 12:01 Uhr…) und ich finde, es hat sich gelohnt. Es gab Möhren-Kartoffel-Kokos-Cremesuppe (die hatte ich), eine Linsensuppe (die hatte Carsten natürlich), eine Erbsensuppe – unser Nachschlag und was zum mit nach Hause nehmen und eine Minestrone (die haben wir dann leider nicht mehr geschafft!). Die Suppen kosten einmalig 10 € pro Person und es gibt soviel Nachschlag, wie man möchte…also theoretisch kann man sich für 10 Euro einmal durch alles durchprobieren – solange es halt was gibt. Denn wenn leer, dann leer!

Zu finden ist der Quereinsteiger ins Suppengeschäft in der Dünenstraße 1 in List, direkt hinter der Sylter Eismanufaktur (dazu später mehr 😉..), wo es an drei Tagen in der Woche (Dienstag bis Donnerstag) ab 12 Uhr täglich frisch zubereitete, vegane und glutenfreie Suppen gibt, die meist spätestens gegen 14 Uhr ausverkauft sind. Im lauschigen „Dünengarten“ rund um den Wagen kann man die Suppe in entspannter Atmosphäre – ob im Strandkorb, unter Sonnenschirm oder mitgebrachten Decken genießen und der Nachschlag wird im Übrigen durch die Hintertür serviert 😊! Die Zutaten stammen bevorzugt aus der Region – Braderuper, Morsumer oder Kampener Kartoffeln, Möhren, Lauch, Kohl, Pastinaken oder Rote Bete aus Schleswig-Holstein oder Dänemark. Verfeinert wird mit Sylter Meersalz, Zwiebeln und Kräutern – handverlesen und mit viel Liebe gekocht. Ja, ich finde, für so eine Suppe kann man gerne mal etwas länger anstehen, aber das war nicht einzige Warteschlange, an der wir heute noch anstehen durften!

So gestärkt ging es – wie den ganzen Tag mit Gegenwind – Richtung Ellenbogen und der nördlichste Geocache Dose Deutschlands! Eigentlich standen noch viel mehr Geocaches auf unserer Liste – aber es macht wahrscheinlich mehr Sinn mal außerhalb der Saison zu kommen – da ist es nicht so muggellastig überall 😉! Der Ellenbogen, der nördlichsten Zipfel Deutschlands – ein echtes Naturwunder. Die Straße dorthin führt durch eine wildromantische Landschaft, geprägt von endlosen Sanddünen, salziger Meeresluft und dem Gefühl, langsam ans Ende der Welt zu radeln. Der Ellenbogen ist in Privatbesitz (ein kleines Entgelt wird beim Passieren fällig – aber nur mit dem Auto…Fußgänger und Radfahrer kommen kostenlos rein), dafür bekommt man aber eine der ursprünglichsten Landschaften der Insel zu sehen: kaum Infrastruktur, dafür freilaufende Schafe, windzerzauste Gräser, der tosende Weststrand auf der einen und das ruhige Wattenmeer auf der anderen Seite.

Hier noch ein paar schöne Eindrücke vom Ellenbogen:

Zurück über den Deichweg ging es nach List und jetzt war es Zeit für ein…richtig…Eis 😊. Nächster Halt: Sylter Eismanufaktur. Und jupp…auch hier gibt es eine mehr oder weniger lange Schlange und auch hier muss ich sagen, hat sich das Warten gelohnt: bei waren im Becker Kürbiskern, Kaffee und Mango und bei Carsten Maracuja, Salzkaramel und Schokolade…durch die Bank sehr lecker! In einem charmanten kleinen Gebäude am Hafen zaubert das Team rund um die Gründerfamilie Plaggenborg seit 2013 mit viel Herzblut köstliches Eis – handgemacht, regional und voller Geschmack. Die Philosophie ist so klar wie sympathisch: Keine künstlichen Zusatzstoffe, stattdessen echte Zutaten – frische Milch vom Festland, Bio-Sahne, handverlesene Früchte, feine Nüsse, echtes Karamell oder Zartbitterschokolade. Produziert wird täglich frisch in kleinen Chargen – man schmeckt den Unterschied mit jedem Löffel.

Besonders beliebt sind Sorten wie „Sylter Salzkaramell“, „Friesische Vanille“, „Kaffee-Crunch“ oder saisonale Highlights wie „Sanddorn-Sorbet“ oder „Heidebeere“. Auch vegane Sorbets sind immer wieder im Angebot – fruchtig, leicht und perfekt für heiße Sommertage. Die Auswahl wechselt regelmäßig und sorgt so für immer neue Überraschungen in der Waffel oder im Becher.

Über den wunderschönen Lister-Dünen-Radweg ging es wieder zurück nach Westerland:

Am Ende standen auf dem Tacho: 56 km…das musste dann ebenfalls noch „gefeiert“ werden – bei einem Sundowner (einen Sylter Trii Gin) im Sunset Beach (https://www.sunsetbeach.de/restaurant) – praktischerweise direkt vor dem Bereich wo die California Wingfoil Masters gerade stattfinden. Wir hatten den perfekten Platz und konnten bei den Wettbewerben der U15 ein bisschen mitschauen…echt beeindruckend.

Wenn ihr euch fragt, Wing…was? So ging es mir auch – deswegen hier die kleine Erklärung zu Wingfoil, Surfen etc.:

Surfen (auch Wellenreiten) ist die ursprünglichste Form: Man paddelt mit dem Board ins Meer, wartet auf eine Welle und surft sie dann im Stehen ab. Es braucht keine zusätzliche Ausrüstung wie Segel oder Schirm – nur Board und Wellen. Es ist stark abhängig von den Bedingungen (Wellenhöhe, Brandung, Gezeiten).

Windsurfen kombiniert ein Surfbrett mit einem Segel, das an einem Mast befestigt ist. Der Wind treibt das Board über das Wasser. Es verlangt sowohl Gleichgewicht als auch Technik, da man das Segel in der Hand halten und ausbalancieren muss. Windsurfen ist sehr dynamisch, bietet hohe Geschwindigkeiten und Sprünge – vor allem auf Seen und Küsten mit stabilem Wind.

Kitesurfen nutzt einen großen, lenkbaren Kite (Drachen), der den Sportler über das Wasser zieht. Man steht auf einem kleinen Board, ähnlich einem Wakeboard, und steuert den Kite mit einer Bar. Der Wind ist hier der entscheidende Faktor. Kitesurfen bietet spektakuläre Sprünge und Tricks, erfordert aber sorgfältiges Erlernen und Sicherheitstraining.

Stand Up Paddling (SUP) ist dagegen eher entspannt: Man steht auf einem großen, stabilen Board und bewegt sich mit einem Paddel fort. Es eignet sich hervorragend für Seen, ruhige Flüsse oder das Meer an windstillen Tagen. SUP kann auch sportlich betrieben werden (z. B. als Fitness- oder Wettkampf-Variante), wird aber oft für entspannte Touren oder Yoga auf dem Wasser genutzt.

Wingfoilen ist eine neuere Disziplin: Man steht auf einem Board mit Foil (Unterwasserflügel) und hält ein frei bewegliches Hand-Wing in der Hand. Der Wind treibt einen an, und bei genügend Geschwindigkeit hebt das Board aus dem Wasser – man „schwebt“ förmlich darüber. Es verbindet Elemente von Windsurfen, Kitesurfen und Foiling. Wingfoilen ist leichter zu erlernen als Kitesurfen, da der Wing ungefährlicher und leichter zu kontrollieren ist.

Foilen selbst ist eine Technik, die in verschiedenen Sportarten zum Einsatz kommt (z. B. Kitefoil, SUP-Foil, Surf-Foil). Hierbei hebt ein Unterwasserflügel das Board bei Tempo aus dem Wasser, was für weniger Widerstand und ein schwebendes Fahrgefühl sorgt.

Wakeboarden oder Wasserski gehören ebenfalls zur Familie der „Board-Sportarten“, sind aber motorisiert: Man wird von einem Boot oder einer Seilbahn gezogen. Hier steht der sportliche Aspekt im Vordergrund, mit Tricks und Geschwindigkeit.

So, ich hoffe, ihr seid jetzt auch wie ich auf dem aktuellen Stand der Wassersportarte mit Brett und Wind / Wellenunterstützung!

Auf der Promenade gab der Sylter Shanty Chor noch ein Konzert, was wir bei Cocktails und Essen aus dem Extrablatt (und noch ein paar Suppenresten vom Tag) und einem schönen Sommeruntergang genießen konnten.

Der Freitag verspricht noch mehr Sonne – und die Chance auf einen Strandkorb- und Badetag steigen also!

In diesem Sinne – packt die Badehose sein!

Eure Nachteule

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