MTX…drei Buchstaben mit (hoffentlich) großer Wirkung

1.Oktober 2016 – 22:05 Uhr. Es ist soweit…nach vielen Wochen und Monaten voller Schmerzen starte ich in eine neue Behandlungsform…ab jetzt heißt es einmal pro Woche spritzen…und zwar s.c. (subkutan – bei mir hauptsächlich in den Bauch) am Samstagabend.

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Methotrexat – oder kurz MTX – ist eigentlich ein klassisches Zytostatikum (Antimetabolit) aus dem Bereich der Chemotherapie. Allerdings kann es in viel niedrigeren Dosen auch bei vielen rheumatischen Erkrankungen – wie eben auch bei meiner rheumatoiden Polyarthritis – eingesetzt werden.

MTX ist ein Folsäure (Vitamin B9) Analogon. Es hemmt kompetitiv und reversibel als Folsäure-Antagonist das Enzym Dihydrofolat-Reduktase (DHFR) – deswegen nehme ich 24-48 h nach der Spritze mit 10 mg MTX eine 5 mg Folsäure-Tablette – um einen Teil der (schädigenden) Wirkung wieder aufzuheben.

MTX hemmt die Zellteilung im Körper und damit sich eine Zelle teilen kann, benötigt diese Folsäure. MTX gaukelt dem benötigten Enzym vor, es sei „Folsäure“ und irgendwann steht dann nicht mehr genug Folsäure für eine Zellteilung zur Verfügung. Bei Autoimmunerkrankungen wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, bekämpft das Immunsystem die eigenen Zellen im Körper. MTX bewirkt nun, dass sich Immunzellen nicht so stark vermehren können und man erhofft sich eine Verlangsamung des Krankheitsverlauf. Allerdings führt die Therapie zu der einen oder anderen Nebenwirkung…u.a. durch die Immunsuppression.

Diagnose Rheuma

In der Rheumatherapie ist die Dosierung deutlich niedriger wie bei einem Einsatz als Chemotherapeutikum. In der Regel beträgt die Dosis zwischen 7,5 und 20 mg pro Woche – ich bin zur Zeit bei einer 10 mg Spritze einmal pro Woche. Weitere Informationen zum Thema Rheumatische Erkrankungen findet ihr auf den Seiten der Rheumaliga unter www.rheuma-liga.de.

Glücklicherweise halten sich die Nebenwirkungen in meinem Fall in Grenzen – da ich mich am Samstagabend direkt vor dem Schlafengehen spritze, verschlafe ich evtl. Übelkeitsgefühle. Meistens bin ich am Sonntag nicht ganz so spritzig und fit unterwegs wie früher aber sonst ist alles noch im erträglichen Rahmen. Selten habe ich mit Schleimhautentzündungen (Aphten) im Bereich des Mundes oder Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen.

Allerdings merke ich, dass ich Infekt anfälliger geworden bin – und dann geht es mir u.a. Sonntags nach der Spritze gar nicht gut…wie ich leidlich vor 5 Wochen erfahren musste. Mit am meisten Angst hatte ich vor einem möglichen Haarausfall – da bin ich halt einfach ein Mädchen ;-)! Aber beim letzten Besuch im Stilwerk Tübingen bei Patrick, dem besten Friseur der Welt, konnte ich aufatmen…anscheinend hat das MTX (noch) keinen Einfluss auf meine Haarmenge :-).

Warum ausgerechnet am Samstagabend? Man sollte während der MTX-Therapie möglichst keinen Alkohol trinken…insbesondere 24 h vor und nach der Spritze nicht…aber die meistens Partys, etc. finden doch am Wochenende statt? Auch wenn ich gerne mal ein Glas Rotwein, einen guten Gin oder Whisky trinke, ist für mich der Samstagabend am praktikabelsten – zum Einen kann ich hervorragend auch ohne Alkohol auf eine Party gehen und Spaß haben und falls es doch am Tag nach der Spritze nicht gut ist, kann ich mich i.d.R. am Sonntag ohne Probleme gut zu Hause erholen.

Ein Wirkeintritt des MTX wird nach 4-8 Wochen i.d.R. erwartet…ich bin inzwischen in Woche 12 angelangt. Und ja – es scheint tatsächlich zu wirken…meine Schmerzen sind deutlich besser geworden – klar hab ich immer mal noch einen oder zwei Tage dazwischen die nicht ganz so toll sind – aber im großen Ganzen geht es mir besser.

Es lässt sich also hoffen, dass sich auf Dauer und in Zukunft meine RA etwas beruhigt und ich wieder etwas beweglicher durch die Gegend springen kann :-)!

Bis bald! Eure Nachteule!

 

 

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von alexgeckeler Veröffentlicht in Rheuma