Feuer(wehr)krebs – die unsichtbare Gefahr für Lebensretter

Wenn Feuerwehrleute ausrücken, um Menschen und auch (Sach)Werte zu schützen, denkt kaum jemand an die Gefahr, die lange nach dem Einsatz beginnt: Feuer(wehr)krebs – eine erhöhte Krebsbelastung, die mit der feuerwehrtypischen Exposition gegenüber Brandrauch und Schadstoffen zusammenhängt.

Der Januar ist der sog. FEUERWEHR-Krebsmonat – um auf dieses Thema wieder mehr Aufmerksamkeit zu lenken!

Unter dem Begriff Feuer(wehr)krebs werden krebserzeugende Risiken zusammengefasst, denen Feuerwehrangehörige regelmäßig ausgesetzt sind. Bei Bränden entstehen zahlreiche giftige und zum Teil krebserregende Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die über Atemwege, Haut oder versehentlich über Nahrung in den Körper gelangen können. Internationale Studien zeigen, dass Feuerwehrkräfte im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bei bestimmten Krebsarten ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko haben.

Warum ist das Risiko erhöht?

Brandrauch ist eine komplexe chemische Mischung aus Gasen und Partikeln, die bei der Verbrennung unterschiedlichster Materialien entsteht. Besonders bei synthetischen Stoffen, die in modernen Gebäuden und Gegenständen vorkommen, werden hochgiftige Substanzen freigesetzt. Diese gelangen über mehrere Wege in den Körper:

  • Über die Atemwege – trotz Atemschutz besteht ein Restrisiko, vor allem bei Nachlöscharbeiten oder unsauberen Abläufen.
  • Über die Haut – Brandrauch, Ruß und chemische Rückstände setzen sich auf ungeschützten Hautstellen fest.
  • Über kontaminierte Kleidung – Schutzausrüstung bleibt nach Einsätzen oft belastet, wenn sie nicht sofort fachgerecht gereinigt wird.

Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten befassen sich mit dem Krebsrisiko bei Feuerwehrkräften. Eine Metaanalyse zeigt, dass bestimmte Krebsarten bei Feuerwehrleuten häufiger auftreten als in der allgemeinen Bevölkerung, darunter etwa Blasenkrebs oder Nierenkrebs. Trotz dieser Hinweise existieren in Deutschland noch keine offiziellen, umfassenden Krebsregisterdaten speziell für Feuerwehrangehörige – ein strukturiertes Krebsregister für Einsatzkräfte wird von Verbänden und Experten gefordert.

Die FeuerKrebs gUG (www.feuerkrebs.de) ist eine gemeinnützige Organisation, die von Feuerwehrleuten für Feuerwehrleute gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, die Gesundheit und Arbeitsbedingungen der rund 1,2 Millionen Einsatzkräfte in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Dafür setzt sich die Organisation auf drei Säulen ein:

  1. Aufklärung und Prävention: Schulungen, Informationsveranstaltungen und Austausch mit Experten sollen das Bewusstsein für die Risiken und wirksame Schutzmaßnahmen stärken.
  2. Vernetzung: Betroffene, Angehörige, Mediziner und Fachleute sollen miteinander vernetzt werden, um Erfahrungen, Wissen und Erkenntnisse auszutauschen.
  3. Unterstützung: Betroffene Feuerwehrleute sollen im Krankheitsfall psychologische, rechtliche und ggf. finanzielle Hilfe erhalten.

Ein zentrales Anliegen der Initiative ist zudem die gesetzliche Anerkennung bestimmter Krebsarten als Berufskrankheit für Feuerwehrkräfte – eine Anerkennung, die in Ländern wie Kanada oder Teilen der USA bereits besteht, in Deutschland aber bislang fehlt.

Prävention: Was können Feuerwehren und Einsatzkräfte nun tun?

Auch wenn sich das Risiko nicht vollständig eliminieren lässt, gibt es Maßnahmen, die es deutlich reduzieren können:

  • Konsequente Einsatzhygiene: Trennung von „schmutzig“ und „sauber“, richtige Dekontamination von Schutzkleidung und Ausrüstung.
  • Richtiger Schutz: Atemschutz konsequent verwenden – insbesondere auch bei vermeintlich kleineren Einsätzen.
  • Regelmäßige Reinigung: Schutzausrüstung sollte nach jedem Einsatz fachgerecht gereinigt werden.
  • Aufklärung und Schulung: Wissen über Gefahrstoffe, Expositionswege und Hygienemaßnahmen kontinuierlich aktualisieren.
  • Medizinische Vorsorge: Regelmäßige Gesundheits- und Vorsorgeuntersuchungen nutzen.

Feuer(wehr)krebs ist eine ernstzunehmende, aber noch oft unterschätzte Gefahr für Feuerwehrleute. Die Kombination aus wissenschaftlichen Befunden, persönlichem Engagement von Betroffenen und dem Einsatz von Organisationen wie FeuerKrebs macht deutlich: Gesundheitsschutz muss in der Feuerwehr genauso Priorität haben wie das Retten von Menschenleben. Nur so kann es gelingen, dass Einsatzkräfte möglichst gesund aus dem Einsatz und durchs ganze Leben gehen.

In diesem Sinne – passt auf euch auf und denkt an die Einsatzhygiene!

Eure Nachteule

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