Winterbach, 10. Oktober 2025 – Ein Blick in den wunderbar heimeligen Weinkeller und der elegant gedeckte Tisch machen schon in den ersten Minuten Lust auf den vor uns liegenden Champagnerabend bei Daniel’s Weine und den Champagner von Leclerc Briant: also auf in eine Reise durch die sinnliche Welt eines Hauses, das für biodynamische Eleganz und handwerkliche Tiefe steht.



Als Gastgeberin des Abends führte Eugénie Lemaire charmant und kenntnisreich durch das Schaffen des traditionsreichen Hauses aus Épernay, das 1872 gegründet wurde und heute zu den spannendsten Adressen der Champagne zählt (https://www.leclercbriant.fr). Begleitet von Linda Vogt vom Weinhaus Riegel aus Orsingen, die zu den Generalimporteuren für Leclerc Briant zählen für Deutschland (www.riegel.de) und Daniel Hasert natürlich.
Bevor es zu den Stars des Abends geht – ein kurzer Ausflug in die Champagne – ins Hause Leclerc Briant:
Das Weingut Leclerc Briant liegt in der Region Champagne, genauer gesagt im Département Marne im Nordosten Frankreichs. Die Stadt Épernay – das Herz der Champagne, wird oft als „Hauptstadt des Champagners“ bezeichnet und liegt am rechten Ufer der Marne, südlich von Reims, umgeben von berühmten Weinbauorten wie Cumières, Aÿ, Mareuil-sur-Aÿ und Hautvillers.
Épernay ist das Zentrum vieler großer Champagnerhäuser – hier befinden sich auch Moët & Chandon, Perrier-Jouët, Pol Roger und eben Leclerc Briant.
Leclerc Briant ist ein Champagnerhaus mit Wurzeln im 19. Jahrhundert, das sich seither durch Innovation, Biodynamie und mutige Konzepte profiliert hat. Der Ursprung liegt im Jahr 1872, als Lucien Leclerc in Cumières ein Weingut gründete. Im Laufe der Zeit entwickelte es sich von einem Familienweingut zum Maison de Négociant: 1955 zog das Haus nach Épernay, in die Chemin de la Chaude Ruelle, und unter der Leitung von Bertrand Leclerc und seiner Frau Jacqueline Briant wurde das Haus in dieser neuen Struktur geführt. Ein prägendes Element in der Geschichte von Leclerc Briant war frühzeitig der Fortschritt ins Ökologische. Bereits Mitte des 20. Jahrhunderts setzte Bertrand Leclerc erste Ansätze biologischer Bewirtschaftung um, und sein Sohn Pascal verfolgte diese Linie weiter, sodass heute das gesamte Weingut biologisch und biodynamisch zertifiziert ist.
Das Haus selbst besitzt ein kleines Kernstück Weinberge – unter anderem die berühmte Parzelle La Croisette mitten in Épernay.
Unter der neuen Eigentümergeneration – seit 2012 – haben Leclerc Briant und seine Führungskräfte eine kreative Renaissance erlebt. Das Haus wird von Mark Nunelly und Denise Dupré (US-Investoren) unterstützt, und Frédéric Zeimett, ein gebürtiger Champenois mit langjähriger Erfahrung in der Weinwelt, übernahm Führungsaufgaben. Unter Zeimetts Leitung wurden spektakuläre Projekte realisiert: Beispielsweise die Cuvée Abyss, die zwölf Monate unter Wasser bei 60 Metern Tiefe gereift ist – ein Versuch, das Meeressubstrat in Verbindung mit dem kalkhaltigen Boden der Champagne einzubeziehen.
Das Sortiment von Leclerc Briant teilt sich heute in verschiedene Linien:
- Classics – die Standard-Cuvées wie Réserve Extra Brut, Rosé Extra Brut, Blanc de Blancs, Rosé de Saignée u. a.
- Single Vineyards / Sélections Parcellaires (Einzellagen) – sortentypische, parzellenbezogene Weine mit stärkerer Identität.
- Specialities – limitierte, innovative Projekte wie der bereits erwähnte Abyss
Ein prickelnder Auftakt – Rosé Extra Brut (94 Punkte – Suckling)
Der Abend begann mit dem Champagne Rosé Extra Brut – zart kupferfarben im Glas, mit Noten von roten Beeren – hauptsächlich Erdbeeren und Himbeeren, Brioche und Passionsfrucht kommt in die Nase. Geerntet 2021, im Juni 22 abgefüllt und ab Juni 24 degogiert – bestehend aus 89 % Chardonnay und 11% Pinot Noir und einer Dosage von 3,5 g/L – also klassisch extra brut. Ein eleganter, leicht zu trinkender Einstieg – dazu eine leckere Auswahl an französischem Käse und Salami und Schinkenspezialitäten (auch aus Deutschland), sowie verschiedenen Brotsorten und Olivenöl.


Kraft und Balance – Extra Brut Réserve
Der Champagne Extra Brut Réserve zeigte sich komplexer, nussiger, mit Aromen von Apfel, Hefe und etwas Honig. Assemblage aus 42 % Pinot Noir, 33 % Chardonnay und 25 % Pinot Meunier und einer Dosage unter 4,5 g/L. Seine feine Mineralität harmonierte wunderbar mit der leckeren Quiche Lorraine und den herzhaften Canapés, die Steffi wieder für uns auf den Tisch zauberte: Canapés: Lachs mit Dill, Paté mit Pistazien, Roastbeef mit Preiselbeeren und Walnuss, Birne auf Ziegenkäse. Die Kombination war so abgestimmt, dass jeder Bissen das Spiel der Perlage neu beleuchtete und ebenso perfekt zu Champagner Nr. 3 passte (der einer meiner Favoriten an diesem Abend war!)



Eleganz aus der Tiefe – 2016 Blanc de Meuniers Premier Cru
Der Blanc de Meuniers 2016 offenbarte die Rebsorte in Reinkultur: cremig, mit feinen Röstaromen und einem langen, salzig-mineralischen Abgang. Hier zeigte sich die Philosophie von Leclerc Briant in voller Klarheit – Natur, Geduld und Präzision als Grundlage wahrer Eleganz…Vinifiziert und 9 Monate in Eichenfässern gereift und einer Dosage von 2,4 g/L….ja, den könnte man gerne den ganzen Tag trinken 😉!
Sinnliche Intensität – Rosé de Saignée Extra Brut
Dann kam der Rosé de Saignée Extra Brut – kräftiger, dunkler, mit saftigen Noten von Himbeere und Granatapfel. 100 % Pinot Noir mit einer Dosage von 3,3 g/ L. – sehr passend zur super cremigen Königin-Pastete.

Was heißt eigentlich Saigneé?
Beim Rosé de Saignée werden rote Trauben (z. B. hier Pinot Noir) kurz auf der Maische liegen gelassen – das heißt, der Saft bleibt eine Zeitlang in Kontakt mit den Beerenschalen, in denen die Farbstoffe (Anthocyane) sitzen. Nach einigen Stunden – je nach gewünschter Farbintensität – wird ein Teil des Mostes abgezogen, also „abgeblutet“ (saignée).
Dieser Saft wird dann wie ein Weißwein weiterverarbeitet, also ohne Schalen vergoren. Das Ergebnis ist ein kräftiger, aromatischer und farbintensiver Roséwein oder Roséchampagner.
🍇 Unterschied zum „Rosé d’Assemblage“
In der Champagne gibt es zwei zugelassene Methoden, Rosé herzustellen:
- Rosé d’Assemblage – hier wird einfach etwas Rotwein (aus Pinot Noir oder Meunier) zum weißen Grundwein gegeben.
Das ergibt meist zartere, hellere, elegantere Rosés. - Rosé de Saignée – hier stammt die Farbe direkt aus der Maischestandzeit, also natürlich aus den Traubenschalen.
Das ergibt kräftigere, komplexere, oft würzigere Champagner, mit Aromen von roten Früchten, Gewürzen und einer spürbareren Tanninstruktur.
Und dann kam das „Grande Finale“ aus den Tiefen des Meeres: 2018 „Abyss“ Brut Nature
Zum Höhepunkt wurde es wortwörtlich tiefgründig: Der Champagne Abyss 2018 – zwölf Monate lang in 60 Metern Tiefe in der Bucht von Ouessant unter Wasser gereift. Die Spuren des Meeres waren auf der Flasche noch sichtbar: Muschelreste, Algen, Patina. In der Nase: salzige Meeresbrise, Kalk, getrocknete Früchte und ein bisschen Zitrone würde ich sagen. Am Gaumen: vibrierend, pur, fast meditativ. Ein Champagner, der nach Abenteuer schmeckt – und nach der Ruhe der Tiefe.
Eugénie Lemaire erzählte dazu, wie das Meer die Flaschen sanft bewegt und eine einzigartige Reife fördert. Sehr spannend war die Veränderung am Korken zu sehen – außen fast schwarz und teilweise zersetzt und innen, Richtung Wein, ein komplett intakter unveränderter Korken.
Eine Assemblage aus 34 % Pinot Noir, 33 % Pinot Meunier und 33 % Chardonnay und einer Dosage von 1,63 g/L – ein Champagner, auf den ich mich sehr gefreut habe, da ich davon in Folge 171: Karneval in Bio mit Peter Riegel des Podcasts „Terroir und Adiletten von Willi Schlögl und Curly gehört hatte (https://terroirundadiletten.podigee.io/176-peter-riegel) und neugierig wurde.




Mein Fazit
Ich bin ein bisschen eigen, was zu viel Hefe in einem Champagner angeht – aber das war an diesem Abend nicht der Fall – das war ein Abend, der mehr war als eine Verkostung: eine Reise durch Landschaften, Terroirs und Texturen, getragen von Leidenschaft, Handwerk und der Magie des Champagners. Und Daniel und sein Team beweisen einmal mehr, dass Wein und auch Champagner hier nicht nur verkauft, sondern zelebriert werden – mit Herz, Wissen und dem Gespür für besondere Momente. Und ich freue mich schon auf die nächsten interessanten Termine 2026 (aber auch dieses Jahr kommt noch der eine oder andere spannende Abend – seid gespannt 😉!)
In diesem Sinne: manche Champagner erzählen Geschichten – andere flüstern Legenden.
Eure Nachteule
