Heute ist der Welthospiz- und Palliativversorgungstag – 11.Oktober 2025

Der Welthospiz- und Palliativversorgungstag (auf Englisch World Hospice and Palliative Care Day, kurz WHPCD) wird jährlich am zweiten Samstag im Oktober begangen und soll das Bewusstsein für Hospiz- und Palliativarbeit stärken. Er erinnert daran, dass das Thema Sterben oft tabuisiert ist, und lenkt Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse schwerstkranker Menschen und ihrer Angehörigen. Der internationale Aktionstag wurde 2005 initiiert von der Worldwide Hospice Palliative Care Alliance (WHPCA) als gemeinsamer Tag der Aufmerksamkeit für Hospiz und Palliativversorgung weltweit.

Der Hospiz-Gedanke und seine Wurzeln

Der Begriff „Hospiz“ geht historisch auf Orte der Zuflucht zurück, die Pilger, Reisende oder Sterbende aufnahmen. Im modernen Sinne entstand die Hospizbewegung im 20. Jahrhundert. Ein Schlüsselmoment war die Arbeit von Dame Cicely Saunders, die in den 1960er Jahren in Großbritannien das Konzept der Palliativpflege mitprägte. Sie setzte sich dafür ein, dass Schmerz gelindert und Menschen auch in ihrer letzten Lebensphase mit Würde begleitet werden. Parallel entwickelten sich Hospiz- und Palliativangebote weltweit – zunächst oft kirchlich oder ehrenamtlich getragen, später zunehmend als medizinisch integrierte Versorgungsformen.

Das offizielle Motto in Deutschland für den Welthospiztag 2025 lautet: „Hospiz – Heimat für alle“. Dieses Motto bringt mehrere zentrale Botschaften zum Ausdruck:

  • Angebot für alle Menschen: Hospiz und Palliativarbeit sollen für alle zugänglich sein, unabhängig von Herkunft, Religion, Lebensform oder Sprache.
  • Heimat und Zugehörigkeit: Der Begriff „Heimat“ suggeriert Nähe, Geborgenheit, Zugehörigkeit – also dass Hospiz ein Ort sein kann, an dem Menschen in ihrer letzten Lebensphase Sicherheit und menschliche Wärme erfahren.
  • Ablehnung von Ausgrenzung: Das Motto wirkt gegen Tendenzen der Ausgrenzung und betont Toleranz und Offenheit.

Zuletzt war 2024 das Motto „Hospiz für Vielfalt“ – wobei Themen wie Interkulturalität, Inklusion und Vielfalt im Ehrenamt im Fokus standen. Viele weiteren Hintergrundinfos findet ihr auch hier: https://www.dhpv.de/aktuelles_welthospiztag.html

Was versteht man unter Hospiz- und Palliativversorgung?

Um den Tag besser einordnen zu können, ist es hilfreich, die Begriffe und Ziele zu klären:

Hospiz- vs. Palliativversorgung

  • Palliativversorgung zielt darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit lebensbegrenzenden Erkrankungen zu verbessern – durch Symptomkontrolle, Schmerzlinderung und psychosoziale Unterstützung, unabhängig von der Lebensdauer.
  • Hospizversorgung ist eine Ausprägung von Palliativversorgung für die Phase, in der Heilung nicht mehr möglich ist und der Fokus auf Begleitung im Sterben liegt.
  • In der Praxis überschneiden sich beide Begriffe stark; oft wird von Hospiz- und Palliativversorgung zusammen gesprochen.

Ziele und Prinzipien

  1. Leiden lindern: Schmerzen, Atemnot, Übelkeit und andere belastende Symptome so gut wie möglich behandeln.
  2. Ganzheitliche Begleitung: Körperliche, psychische, soziale und spirituelle Aspekte werden berücksichtigt.
  3. Angehörige einbeziehen: Unterstützung, Beratung und Entlastung der Familie und nahestehenden Personen ist integraler Bestandteil.
  4. Würde und Selbstbestimmung: Der Wille der betroffenen Person soll respektiert werden – z. B. bei Entscheidungen über Therapien, Lebensende etc.
  5. Interdisziplinäre Teams: Ärzte, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Seelsorger, Therapeuten und Ehrenamtliche arbeiten zusammen.
  6. Ortsunabhängigkeit: Hospizbegleitung kann zuhause, in stationären Einrichtungen oder auch in ambulanten Diensten erfolgen.

Herausforderungen und Lücken

Trotz Fortschritten gibt es weltweit große Unterschiede in der Verfügbarkeit und Qualität:

  • In vielen Ländern, insbesondere im globalen Süden, fehlen grundlegende palliative Angebote oder der Zugang zu Schmerzmitteln.
  • Fehlende politische Rahmenbedingungen oder Finanzierung behindern nachhaltige Angebote.
  • Tabuisierung von Sterben und Tod erschwert öffentliche Diskussion und Bewusstseinsbildung.
  • Fachkräfte, Ausbildung und Vernetzung sind nicht überall ausreichend vorhanden.

Der Welthospiztag erinnert uns daran:

  • Sterben gehört zum Leben – und braucht Raum, Sprache, Begleitung
  • Hospiz und Palliativpflege sind Menschenrecht und Pflegekompetenz zugleich
  • Solidarität und Vielfalt sind zentrale Werte – insbesondere in einer globalisierten Gesellschaft
  • Gesellschaftliche Debatten über Patientenverfügung, Vorsorge, Trauerkultur, Versorgungspflicht müssen geführt werden
  • Langfristige Etablierung: Es braucht nachhaltige Finanzierung, Ausbildung und politische Rahmensetzung

In den nächsten Jahren wird es wichtig sein, Fortschritte kritisch zu bewerten – etwa im Sinne des 2024er Themas „Ten Years Since the Resolution: How Are We Doing?“ – und gleichzeitig den Zugang zu Palliativversorgung weltweit auszubauen.

In diesem Sinne – bleibt informiert und klärt gerne auf!

Eure Nachteule

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