Das Symposium „Hilfe für Helfer“ in Fulda 2024

Nach Regen kommt Sonnenschein – und genau das traf am Donnerstag in Fulda zu! Dort fand sich ein Teil der PSNV-Familie beim 10. Symposium der Stiftung „Hilfe für Helfer“ ein, um sich mit dem Schwerpunkt „Zeitenwende in der PSNV-E“ zu beschäftigen und auszutauschen.

Die Stiftung  „Hilfe für Helfer“ des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) hat als primäre Anliegen die Unterstützung von Einsatzkräften der Feuerwehr bei der Bewältigung besonders belastender Einsatzerfahrungen. Darunter ist zu verstehen:

  • die Förderung geeigneter Präventionsmaßnahmen (zum Beispiel durch konsequente Einbindung der Thematik in die Ausbildung der Einsatzkräfte),
  • geeignete kurz und längerfristige Nachsorgeangebote, die auch das soziale Umfeld der Einsatzkräfte einbeziehen.

Besonderes Anliegen der Stiftung „Hilfe für Helfer“ ist es, durch ihre Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Bereich der psychosozialen Einsatzvorbereitung und Nachsorge beizutragen und die Entwicklung von Qualitätsstandards zu fördern. Dazu gehört auch die Förderung interdisziplinärer Forschung durch ausgewiesene Hochschuleinrichtungen.

Wer mehr wissen möchte – schaut mal hier vorbei: https://www.feuerwehrverband.de/dfv/hfh-vorstellung/

Um 10.30 Uhr eröffneten Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Prof. Dr. Peter Sefrin, Vorsitzender des Beirates der Stiftung Hilfe für Helfer und Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe das gut besuchte Symposium und es wurde deutlich, wie sich die Zeiten auch verändert haben. Wir sind die Guten und nicht die Bösen, aber die Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu und auch das Thema „Stärkung des Zivilschutz“ und das Bewusstsein, dass man sich Vorbereiten sollte, um nicht nachher von den Ereignissen überrollt zu werden.

Die Moderation und fachliche Einführung wurde von Erneli Martens (Landesfeuerwehrpastorin und Leitung der Notfallseelsorge in Hamburg) und Volker Harks (Referent an der BABZ) wieder professionell durchgeführt.

Der erste Vortrag kam von Thomas Wittschurky (Leiter des Fachausschusses Sozialwesen im DFV), der das Ergebnis einer Umfrage zum Thema „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ vorstellte. Vom 04.11.23 bis 14.12.23 gab es eine bundesweiten Online-Befragung zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte – flankierende zum #GewaltAngehen. Das Ziel war eine Befragung die Aufschluss darüber geben soll, in welchem Maße Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren von Gewalterfahrungen betroffen sind und welch Formen von Gewalt am meisten verbreitet sind. Fast 50 % haben Gewalterfahrungen bestätigt in den letzten zwei Jahren – und mit am Abstand am häufigsten wurde die Befragten mit Beschimpfungen und Beleidigungen mit Worten und Gesten beleidigt (mehr als 90 Prozent). Das ist auch wahrscheinlich die Erklärung, warum es nur eine geringe Anzahl von Unfallanzeigen gibt – es war ja „nur“ psychische Gewalt und keine körperliche Gewalt. Und ein interessanter Punkt – nur 13 Prozent berichteten, dass Täterinnen oder Täter erkennbar unter Alkohol- oder Drogeneinfluss standen – also ist den Tätern durchaus bewusst, was sie da tun! Was kann man nun tun…auf den Seiten des DFV gibt es u.a. Linklisten zu aktuellen Kampagnen und es wird durch Fortbildungsangebote u.a. aus dem Bereich der Deeskalation versucht hier weitere Möglichkeiten zu schaffen.

Und Claudia Schedlich (psychologische Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Forschungsprojekten in der PSNV) stellte psychosozialen Maßnahmen nach gewalttätigen Übergriffen im Einsatzkontext vor. Ein wichtiger Punkt sind die Risikofaktoren am Arbeitsplatz – man ist der Erste am Einsatzort, die EK haben ein höheres Risiko dem Tod zu begegnen und sind aggressiven Vorfällen (körperlichen und verbalen ) Angriffen ausgesetzt…sie riskieren ihr Leben um andere zu schützen. Ein besonderer Punkt sind die moralischen Aspekte bzw. Konflikte – Hilflosigkeit, das Bezeugen von Tod und Sterben und vor allem eine geringe Anerkennung oder Desinteresse für das Geleistete! Aber auch der Verlust des Erlebens der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Was sind nun die psychosozialen Maßnahmen, die wir hier tun können? Null Toleranz bei Gewalt – keine Bagatellisierung: das war doch nicht so schlimm / das gehört eben zum Job dazu….und auch nicht Wegsehen: Ignorieren der Gewalt und Belastung der Kolleg:innen oder Schweigen. Kein nicht eingreifen – wenn man mitbekommt, dass es vorgefallen ist oder man was mitbekommt.

Es bedarf eine Veränderung oder Erweiterung der Organisationskultur – Zugang zu niederschwelligen Angeboten und die Möglichkeit geben, dass man das offen ansprechen kann und ernstgenommen wird.

In der Aus- und Fortbildung sollten Themen angesprochen werden wie:

  • Sensibilisierung für die Notwendigkeit einer Meldung (auch verbale und nonverbale Gewalt)
  • Rechtliche Ausgangssituation / Notwehrregularien
  • Vorbereitung auf Konfliktsituationen im Einsatz
  • Gewaltprävention und Deeskalationstrainings
  • Selbstverteidigung
  • Interkulturelle Kompetenz

Insbesondere das Thema „moralische Konflikte“ muss mehr angesprochen und beachtet werden – Was sind Werte und was ist moralspezifische  Prävention; was ist die Bedeutung von Werteorientierung und was tun bei Veränderungen und Wandel von Werten.

Eine gute Übersicht gibt folgendes Schaubild zum multimodalen Vorgehen zur Förderung seelischer Gesundheit:

Mark Overhagen nahm sich dann nach der Mittagspause der Thematik „Zivilschutz als Herausforderung für die Gefahrenabwehr – Folgen für die PSNV-E“ an. Was ist eigentlich Zivilschutz?

Betrachten wir zuerst mal den Begriff „Bevölkerungsschutz“  – der eng mit dem Begriff Zivilschutz verbinden ist. Der Begriff Bevölkerungsschutz bezeichnet zusammenfassend alle Aufgaben und Maßnahmen des Bundes im Zivilschutz sowie die Aufgaben und Maßnahmen der Kommunen und Länder im Katastrophenschutz. Das Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG) setzt den gesetzlichen Rahmen für die unterschiedlichen Aufgaben (https://www.gesetze-im-internet.de/zsg/BJNR072610997.html).
Der Zivilschutz ist also Aufgabe des Bundes. Dies ist in § 1 ZSKG sowie Artikel 73 des Grundgesetzes geregelt. Damit soll die Zivilbevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren geschützt werden, d.h. die Aufgaben des Zivilschutzes sind:

  • Selbstschutz
  • Warnung der Bevölkerung
  • Schutzbaum
  • Aufenthaltsregelung
  • Katastrophenschutz nach Maßgabe des § 11 ZSKG
  • Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit
  • Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut

Für die Durchführung der Maßnahmen im Zivilschutz arbeitet der Bund mit den Ländern eng zusammen.

Was ist denn der NATO-Bündnisfall? Mit Verteidigungsfall wird der festgestellte rechtliche Status der BRD bezeichnet, wenn deren Staatsgebiet mit „Waffengewalt“ von außen angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Mit dem Bündnisfall regelt Art. 5 des Nordatlantikvertrag (https://www.bpb.de/themen/internationale-organisationen/nato/547054/der-nordatlantikvertrag/ ) in Verbindung mit Art. 115a GG eine weitere Einsatzmöglichkeit des Verteidigungsfalles der Bundesrepublik Deutschland.

Ein paar Zahlen – 90% der militärischen Transporte werden durch zivile Unternehmen durchgeführt und 85 % des militärischen Bedarfs an Nahrungs- und Wasserressourcen.

Warum sind solche Informationen wichtig – es gab in den letzten Jahren immer wieder größere Übungen und in diesem Jahr steht wieder so eine Übung an – nämlich die Quadriga 2024. Nähere Informationen hierzu gibt es hier: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/heer/aktuelles/heer-und-nato-partner-starten-2024-ein-grossmanoever-5710094

Herausforderungen in den nächsten Jahren werden sein

  • Terrorismus und Sonderlagen
  • Cyberattacken
  • Sicherheit
  • Sabotage
  • Spionage
  • Wirtschaftskrise Kriegswirtschaft
  • Flüchtlingskrisen
  • Großhavarien
  • Versorgungskrisen

Ein interessanter Begriff in diesem Zusammenhang das ROC. ROC steht für Resistance Operating Concept. Das ROC zeigt Maßnahmen auf, die ein Staat ergreifen kann, um sich in einem Konflikt gegen einen teilweisen oder vollständigen Verlust seiner nationalen Souveränität vorzubereiten. Es wurde von den Spezialeinheiten des Europäischen Kommandos der Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit den schwedischen, lettischen, estnischen und litauischen Spezialeinheiten sowie der Führungsakademie der Schwedischen Streitkräfte entwickelt. Im August 2022 wurde erstmals darüber berichtet, dass die Ukraine das Konzept im Russisch-Ukrainischen Krieg einsetzt

Was bedeutet das jetzt für die PSNV?

Es geht um einen langfristigen Krisenzustand und auch die psychosozialen Belastungen werden steigen. Es gilt darum die Einsatzfähigkeit zu erhalten und auch sich der Gefahr von größeren Betreuungslagen bewusst machen, die evtl. durch Sabotage auf (kritische) Infrastrukturen entstehen kann? Was ist mit PSNV im Krankenhaus und dem Fachkräftemangel der in allen Bereichen herrscht? Wir brauchen spezielle Fortbildungen gerade in diesem Bereich – ist in Planung (z.B. PSNV im Zivilschutz – erster Lehrgang 2025 geplant).

Wer es nicht schafft sich vorzubereiten, ist vorbereitet es nicht zu schaffen!

Und dann gab einen Ausflug in Richtung Wasser – Christoph Sommer (Militärdekan und Beauftragter für Marineseelsorge) stellt die PSNV-E in der Deutschen Marine vor.

Wer mal etwas mehr zur Militärseelsorge wissen will – schaut mal hier: https://www.bundeswehr.de/de/betreuung-fuersorge/militaerseelsorge

Besonderheit bei der Marine – es gibt strukturierte Abläufe, ohne die es nicht gehen würde (z.B. den Tagesbefehl)  und es ist eine technisierte Welt.  Es ist auf See ein „autarkes“ System und es gibt eine sehr eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit. Die Militärseelsorge ist der einzige zivile Anteil auf einem Schiff und ist dann aber auch Teil der Mannschaft – deswegen auch Teilnahme an Übungen, Arbeiten etc.

Aufgaben eines Militärgeistlichen an Bord: Gottesdienst, Seelsorge Unterricht, Teil der Besatzung, Repräsentant der Kirche, Talisman, Ethische Berater des Kommandanten im Rollendienst oder auch im Einsatzfall.

Was ist der Rollendienst: Abarbeitung  eines  Schadensereignis an Bord(Brand, Bergung etc.). Das Peersystem bei der Bundeswehr ist natürlich auch an Bord zu finden. 

Die Pausen konnten wieder zum Netzwerken ausführlich genutzt werden und auch für uns als PSNVonline war es toll ein paar unserer Teilnehmenden mal nicht als Kachel sondern als „echte“ Menschen erleben und kennenlernen zu dürfen!

Dr. Frank Conrads (Landesfeuerwehrpastor in SH) stellte im letzten Vortragsblock ein paar Vorschläge vor für Qualitätsstandards in der PSNV-E.

Es gibt ja bereits ein paar Unterlagen zu diesem Thema – z.B. DGUV- 205-038 (https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/3846/leitfaden-psychosoziale-notfallversorgung-fuer-einsatzkraefte).

In der PSNV-E gilt es zu fragen – was willst Du, das ich dir tue (Auftragsklärung). Zur Beschreibung der Wirkung von PSNV-E Maßnahmen kann man die Begriffe Salutogenese, Prävention und Peerprinzip einmal genauer betrachten – das sind die drei Schlagworte der Wirkfaktoren. Aber auch Sicherheit geben, Normalisieren, Psychoedukation, Kohärenz, Resonanz, Narrativität; Verlusterfahrungen bearbeiten: durch Selbstwert und Selbstwirksamkeit, Kommunikation und Bindung, Orientierung, Gestaltung, Erkenntnis Wertschätzung und auch Kontrolle und Autonomie spielen eine Rolle in diesem Bereich!

Die Voraussetzungen von Wirksamkeit sind: Vertrauen, Vertraulichkeit und Vertrauenswürdigkeit aber auch Feldkompetenz und Handlungssicherheit!

Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte vs. Psychosozialen Prävention im Einsatzwesen…um was geht es eigentlich genau? Es geht eigentlich nicht darum Personen zu versorgen, sondern ihnen was an die Hand geben, damit sie vielleicht nicht in die Lage kommen, dass sie Hilfe brauchen. Natürlich aber auch bei Belastungen Unterstützung und Hilfe zu geben.

Wirklichkeit besteht immer aus Fakten, aus Gedanken und aus Emotionen – deswegen gehören solchen Punkte auch ins Einsatznachgespräch und sollten berücksichtigt werden.

Was gehört in die Ausbildung? Hier gehören so Themen wie Organisationsstrukturen PSNV, psychologische Grundlagen, Psychoedukation, rechtliche Grundlagen und noch vieles mehr.

Der Wunsch für die Zukunft: gemeinsame Sprache – gemeinsame Standards – gemeinsam gut Handeln – Interoperabilität – in den Feuerwehren in Deutschland

Ein Erfahrungsbericht von der Amoktat in Hamburg bei den Zeugen Jehovas von Martin Timmler (kommissarischer Leiter Zentraldirektion Einsatzdienst der Feuerwehr Hamburg) rundete dann das diesjährige Symposium eindrucksvoll ab.

Zum Einstieg mal die kurze Erklärung was versteht denn unter dem Begriff LebEL? Eine Lebensbedrohliche Einsatzlage (abgekürzt LebEL) ist eine polizeiliche Lage mit hohem Gefährdungspotenzial für das Leben von Opfern, Unbeteiligten und Einsatzkräften.

Eine Lebensbedrohliche Einsatzlage liegt bereits dann vor, wenn Anhaltspunkte ein Täterverhalten unmittelbar erwarten lassen, bei dem mittels Waffen, Sprengmitteln, gefährlichen Werkzeugen bzw. Stoffen oder außergewöhnlicher Gewaltanwendung gegen Personen vorgegangen wird, insbesondere wenn Personen verletzt oder sogar getötet werden. Es handelt sich oft um dynamische und unübersichtliche Situationen wie z. B. Brand- und Terroranschläge oder Amokläufe. Die Feststellung einer solchen Lage erfolgt durch die örtliche Polizei. Für die Einsatzkräfte besteht meist ein Interessenkonflikt zwischen der notwendigen Hilfe für die etwaigen Opfer und dem Eigenschutz.

Wer noch ein bisschen mehr zu den einzelnen Themen wissen möchte – hier geht es zu den gesamten Vorträgen der Referenten: https://www.feuerwehrverband.de/dfv/hfh-vorstellung/hfh-symposien/

Vielen Dank für die spannende Veranstaltung und ich bzw. wir von PSNVonline freuen uns schon auf nächstes Jahr!

In diesem Sinne – passt auf euch auf!

Eure Nachteule

Das Jahreszeiten-Menü „Sommer“ im Lamm in Hebsack

Wer ein leckeres Spargelmenü in den nächsten Wochen noch genießen möchte, dem kann ich das Jahreszeitenmenü im Lamm in Hebsack (www.lamm-hebsack.de)  sehr empfehlen.

Auch wenn die Weinbegleitung ein Tipp ist, den man unbedingt dazu nehmen sollte – probiert gerne einmal den ViSecco mit Sauvignon Blanc von der Manufaktur Jörg Geiger (https://www.manufaktur-joerg-geiger.de/Alkoholfrei/PriSecco-Alkoholfrei-Prickelnd/) .

Aber zurück zum Menü – gestartet haben wir mit einem ganz speziellem „Vitello tonnato“ – nämlich bestehend aus zartem Milchkalb und Thunfisch-Tataki zusammen serviert mit grünem Spargel, Kapernmayonaisse und roter Shiso-Kresse. Dazu gab es einen 2022 Sauvignon blanc trocken vom Weingut Maier aus Schwaikheim  – das auch für die restliche Weinbegleitung zuständig war (www.maier-weingut.de/). Eine sehr tolle Geschmackskomposition war das gleich zu Beginn 😊.

Und auch die Schaumsuppe von weißem Spargel mit Frankfurter grüner Kräuter, Bärlauchöl und einen Krustentier-Dim Sum in der Mitte war ein Erlebnis. Sehr passend auch hier die Weinbegleitung – einen 2023 Weißburgunder trocken vom Weingut Maier.

Der Hauptgang bestand aus einem auf den Punkt perfekt medium gebratenem Filetsteak vom deutschen Weiderind mit Schmidener Stangenspargel, einer sehr geschmackvollen Trüffelbearnaise und leckeren hausgemachten Kräuterflädle. Dazu passend einen 2020 Cabernet franc „vom Stein“, Neustadt Söhrenberg trocken.

Beim Nachtisch konnte man zwischen Käse und einer „Himbeere Hoch 3“ wählen und da wir praktischerweise zu zweit da waren, durften beide Nachtische probiert werden: es gab eine kräftige Auswahl an französischem Rohmilchkäse, gerösteten Haselnüssen und Feigenmarmelade und ein Traum aus Himbeeren. Himbeeren als Sorbet, Eis und weißer Schokolade mit karamellisierter Schokoladenganache, Erdnusshippe und Melisse. Und dazu gab es ein kleines Gläschen Moscato D’Asti (Bricco Quaglia Moscato D’Asti 2022) von La Spinetta (www.la-spinetta.com/).

Und du weißt, dass du im richtigen Restaurant angekommen bist, wenn plötzlich als unerwarteter Zwischengang eine kleines Stück hausgerauchte Körschtal-Lachsforelle auf meinem geliebten Fregola Sarda in Basilikumpesto als Gruß aus der Küche serviert wird! War das lecker – vielen lieben Dank lieber Moritz für diese tolle Überraschung!

Ich freue mich schon auf die nächsten kulinarischen Erlebnisse im Lamm Hebsack!

In diesem Sinne – guten Appetit!

Eure Nachteule

Es gibt endlich wieder Fregola Sarda – das Mai/Juni-Menü im Cédric in Weinstadt-Beutelsbach

Es begab sich zu der Zeit in der Mitte des Mais, wo sich vier Freunde zu einem leckeren Abendessen trafen – nämlich im 1*-Restaurant Cédric in Weinstadt-Beutelsbach (www.restaurant-cedric-de).

Was dieses Restaurant ausmacht? Die herzliche Begrüßung und Betreuung von Herbert und sein ausgezeichneter Service und Humor (und als kleiner Geheimtipp: mein neuer Gsälzdealer des Vertrauens) und natürlich die hervorragende Küche von Cédric und einem regional-saisonalen Menü mit sehr passender Weinbegleitung – auf die ich mich jedes Mal sehr freue! Seit Ende März 2024 hat Cédric Staudenmayer seinen ersten und sehr verdienten Michelin Stern erhalten und zusätzlich wurde er mit dem Young Chef Award 2024 ausgezeichnet. Überzeugt euch gerne selbst und reserviert rechtzeitig einen Tisch!

Der Einstieg war ein kalt-warmer Gruß aus der Küche – eine Ajoblanco – eine kalte spanische  / andalusische Mandelsuppe mit gerösteten Mandeln und Kräuteröl  und warmes Sauerteigbrot mit aufgeschlagener französischer Salzbutter. Dazu als Aperitif eine Variation eines Tonic – nämlich einen madeirisierten Châteauneuf-du-Pape Les Vieilles Vignes von 2013 mit Tonic aufgegossen. Mit einen Restzucker von 0 g/l, einem Säuregehalt von 6,3 g/l und den Rebsorten Grenache, Mourvèdre / Monastrell und Syrah ein toller Einstieg an diesem Abend.

Im ersten Gang stand diesmal ein Saibling auf dem Tisch – nämlich ein Saiblings Tartar mit einer Vinaigrette aus Kopfsalat, Kräuteröl und Ayran (die soooo lecker war) und Mairübchen,  milde Wasabi-Mayonnaise, Kopfsalatherzen und getrocknete Tagetesblüten. Passend dazu in den Weinbegleitungen einmal einen 2021 „Yellow Bird“, Niersteiner Sauvignon Blanc trocken vom Weingut Huff aus Rheinhessen (https://www.weingut-huff.com/) und einen 2022 Rosé Marie Anphora vom Tröpfltalhof aus Südtirol, Italien (https://www.bioweinhof.it/).

Dann gab es endlich mal wieder einen Gang mit Fregola Sarda. Fregola Sarda ist eine Pastasorte – klassischerweise aus Hartweizengries,  die eigentlich „Fregula“ heißen müsste – da sie vom lateinischen „fergulum“ – also Brösel, Krümel stammt  – was auf die kleine Kugelform hinweist und auf Sardinien weitverbreitet ist. Hier wurde sie wie folgt verarbeitet: ein Fregola Sarda Risotto als Bett, knackiges Erbsen-Karottengemüse, Salzzitronencreme unter einem Karotten-Curry-Schäumchen und getrocknete Erbsen und Erbsensprossen.

In der Weinbegleitung ging es einmal nach Österreich und dann fast in die Nachbargemeinde. Zuerst einen 2021 Hidden Treasures Nr. 1 Tokay (mit der Rebsorte Furmint) vom Weingut Moric aus Großhöflein (http://www.moric.at/) und dann ging es nach Winterbach zum Weingut Jürgen Ellwanger und einem 2021/22 Hades Oxygéne (https://www.weingut-ellwanger.de/ )- und hier war als Rebsorte ein Johanniter wunderbar verarbeitet.

Im Fischgang gab es diesmal: gebratener weißer Heilbutt, darunter ein Radicchio-Püree und dann wurde der Fisch mit einem fermentierten Spargel-Miso-Lack bestrichen, obendrauf gab es gegrillten französischen wilden Spargel, Reiscracker und außen rum ein Tomatenschäumchen und für mich ein bisschen Siberian Caviar on top 😊!

Die Weinbegleitung hier waren ein 2022 Untertürkheimer Gips, Weißburgunder trocken vom Weingut Aldinger aus Fellbach (https://www.weingut-aldinger.de/de/) und ein phantastischer 2012er Steinterrassen Grüner Veltliner vom Nikolaihof aus der Wachau (https://www.nikolaihof.at/home/).

Und irgendwann bekomme ich Cédric dazu, dass er am Ende eines Menüzyklus die möglichen Überreste seiner wunderbaren Jus beim Fleischgang zum Kauf anbietet 😉. Es gab ein gebratenes Teres major (ein Stück aus der Rinderschulter), mit Bulgur gefüllte Paprika, oben drauf Paprikacreme und eingelegten Minispitzpaprika und ein  Selleriepüree und ein traumhaftes Rindersößchen!

Jetzt wurde es rot in der Weinbegleitung: ein 2017 LAN Reserva, Tempranillo, Bodegas LAN, S.A. Fuenmajor aus dem Rioja (https://bodegaslan.com/en/) und eine 2007 Großheppacher Steingrüble Spätburgunder SL trocken vom Weingut Bernhard Ellwanger aus Großheppach (https://weingut-ellwanger.com/) . SL steht hier für eine selektionierte Lese – wer diesen tollen Spätburgunder mal probieren kann – unbedingt machen!

Das Dessert besteht aus drei Teilen – einem Pre-Dessert (ein Honigmelonen-Rose-Pfeffer Sorbet, darunter Rhabarber-Espuma, gemahlene Pfefferbeeren und rote Shiso-Kresse), dem eigentlich Dessert (Rotes Johannisbeersorbet, Johannisbeercreme, frische Heidelbeeren, Vanillecreme-Kugel, aufgeschlagene Vanillecreme mit etwas Crumble und eine sehr leckere Canelé) und ganz zum Abschluss gibt es noch den „Süßen Abschluss“ – Karamelleis mit Mascarpone-Creme und frische Erdbeeren.

Neben einem Espresso gab es als Dessertwein einen 2019 Bacalhôa – Moscatel de Setúbal aus Portugal (https://bacalhoa.pt/en/homepage) und einen 2022 Sweetheart Sauvignon Blanc von Oliver Zeter (https://www.oliver-zeter.de/#!/de) .

Die Mischung aus einem regional-saisonalen Menü und den passenden Weinen – sehr oft auch aus der Region und immer wieder ein paar exklusive Flaschen aus der ganzen Welt – machen das kulinarische Erlebnis im Cédric immer wieder besonders und ich freue mich schon sehr auf das Sommermenü im Juli!

In diesem Sinne – viel Spaß beim Genießen der Sonne!

Eure Nachteule

Ein wahrlich „königlicher“ Abend im Lamm in Hebsack: das Spargelmenü am 08.05.2024

Mit dem Stangengold vom Schmidener Hof – also der Königin der Gemüse – zauberten Markus und Moritz Polinski und das gesamte Team vom Hotel & Restaurant Lamm in Hebsack (www.lamm-hebsack.de) am Vorabend vor Christi Himmelfahrt (oder auch Vatertag genannt 😉) einen wirklich leckeren Abend mit phantastischen Geschmackskompositionen.

Begrüßt wird man im Lamm immer herzlich und der Wohlfühlfaktor steigt auch, wenn man in die schönen Räumlichkeiten des Restaurantbereichs geführt wird. Insgesamt vier gemütliche Restaurantstuben stehen im Inneren zur Verfügung sowie ein Gewölbekeller aus dem 13. Jahrhundert, den wir bereits im letzten Jahr bei „Wild und Wein“ einmal erleben durften. Und die Sommerterrasse mit Naturstein und Rebenverkleidung haben wir schon mal für ein Afterwork im Juni mal ins Auge gefasst 😉…aber ich schweife ab…

Zum Aperitif gab es einen prickelnden Spumante Pinot Grigio Rosé von La Jara aus Italien (https://lajara.it/de/) und der Gruß aus der Küche – das Amuse – bestand aus einem luftigen Spargelmousse mit Lauch und Kaviar. Eine tolle Kombination – der salzige Kaviar mit der leichten Mousse und der würzigen Schicht Lauch am Boden und dazu die Bubbles des Pinot Grigio Rosé – ein sehr schöner Einstieg.

Es bestand die Möglichkeit eine passende Weinbegleitung zu den weiteren Gängen zu wählen, die wir natürlich ausprobieren mussten und so wurden die Gläser mit einem 2022er Riesling Q.b.A. trocken vom Weingut Knauß aus Weinstadt-Strümpfelbach (https://weingut-knauss.com/) gefüllt. Ein leichter fruchtiger Duft nach Pfirsich macht sich in der Nase breit und die angenehme Säure machen diesen Riesling zu einem super Partner für den nächsten Gang: ein Mosaik von weißem Spargel und Noriblatt mit einer wunderbar gegrillten und ganz frischer Jakobsmuschel, einer sehr geschmackvollen Krustentiermayonnaise und eingelegtem Ingwer. Also von der Jakobsmuschel hätte ich fast noch nach einem Nachschlag verlangt – in Kombination mit der Krustentiermayonnaise und auch dem Wein – ein sehr leckerer Genuss!

Dann kam nach einer fast idealen Pause zwischen den Gängen der nächste Wein, der mit toller und kompetenter Erklärung vom Chef de Rang und Sommelier Florian Thiele serviert wurde: ein 2022er Grauer Burgunder von der Weinmanufaktur Untertürkheim (https://weinmanufaktur.de/). Was für eine Fruchtbombe war das in der Nase – tropische Früchte oder sogar ein kleines bisschen nach Gummibärchen würde ich sagen – und auch eine sehr gute Wahl zum nächsten Gang: es gab ein cremiges Spargelrisotto (mit grünem Spargel – den ich sehr gerne mag) und einem tollen Thunfisch-Tataki mit geröstetem Sesam und Basilikumpesto.

Die Kombination aus klassischer Küche und den von Moritz immer wieder einfließenden asiatischen Ideen und Einflüssen, machen die Gericht immer wieder anders und überraschend. Unter dem Begriff [ANJO] finden sich tolle Kreationen und demnächst gibt es auch noch den Bericht von der Veranstaltung [ANJO] meets Klopfer | the big bio Tapas Menu (ein Abend voller vegetarischer / veganer Köstlichkeiten und passenden Weinen vom Christoph Klopfer (www.weingut-klopfer.de) im März 2024).

Nach zwei „weißen“ Gängen – was den Wein angeht – gab es nun einen 2021 Spätburgunder trocken vom Weingut Maier aus Schwaikheim im Glas ( www.maier-weingut.de) . In der Nase dominieren Sauerkirschen und diese passen sehr gut zu dem zweierlei vom Stubenküken mit weißem Stangenspargel mit einer Trüffeljus und einer tollen Nussbutter-Hollandaise und Kräuterflädle. Hier war für den Nachschlag gesorgt – es wurde von jeder Komponente noch ein zwei Löffel oder auch Stücke angeboten und für die  Kräuterflädle mit Hollandaise und Trüffeljus  hätte ich gerne noch einen zweiten Magen gehabt 😉!

Aber es war gut, dass ich für den Nachtisch noch etwas Platz gelassen hatte – ein Traum von Erdbeereis, Rhabarber, weißer Schokolade und einem fantastisch leckeren Misotraum wurde angeboten und als besonderes Schmankerl haben wir hier noch ein Gläschen La Spinetta Moscato D’ Asti Bricco Quaglia (https://www.la-spinetta.com/) dazu genommen. Ein Schaumwein mit einem sehr blumigen Aroma der toll zum Miso-Dessert passte!

Ein sehr leckerer und angenehmer Abend war das gestern im Lamm in Hebsack und ich freue mich schon auf die nächsten Besuche dort!

Und noch ein Tipp – wenn es mal wieder die Wurstknöpfle gib dort – unbedingt probieren!

In diesem Sinne – lasst es euch schmecken!

Eure Nachteule